Bernburg/Staßfurt. Zwischen 1985 und 1990 lernten rund 400 namibische Kinder und Jugendliche an der „Schule der Freundschaft“ in Staßfurt. Sie kamen während des Unabhängigkeitskampfes ihres Landes aus Flüchtlingslagern in die DDR, wuchsen dort auf und gingen in Löderburg und in Staßfurt zur Schule.
Viele der ehemaligen Schülerinnen und Schüler leben heute in der Region Ohangwena im Norden Namibias. Ihre Verbindung in die Region ist allerdings nie abgerissen. Darauf wollen der Salzlandkreis und die Region Ohangwena in Namibia gemeinsam aufbauen – mit einer Partnerschaft. Die Initiative dazu kam aus Namibia. Kadiva Hamutumwa, Gouverneurin der Region Ohangwena, wandte sich im Herbst 2025 an den Salzlandkreis.
Eine mögliche gemeinsame Zukunft vorbereiten wird eine Ausstellung, die vom 9. September bis zum 16. Oktober im Foyer des Sparkassenschiffs in Staßfurt zu sehen wird. Die Ausstellung trägt den Titel „Namibia – Deutschland. Aktuelle Aspekte einer besonderen Beziehung“. Sie wird am Dienstag, 8. September, um 18 Uhr von Landrat Markus Bauer gemeinsam mit einer Vertretung des namibischen Konsulats eröffnet. Unterstützt wird das Projekt von der Salzlandsparkasse, die dafür ihr Foyer in Staßfurt öffnet.
Landrat Markus Bauer sagt mit Blick auf die Zukunftsstrategie Salzlandkreis 2030. „Unser Kreis steht für Wirtschaft, Wohnen und Wissenschaft. In allen drei Feldern kann ein Austausch mit Namibia etwas bewegen.“ Er erläutert: „Unsere Betriebe suchen Fachkräfte, unsere Landwirtschaft hat Wissen, das anderswo gebraucht wird, und unsere Schulen und Vereine leben vom Kontakt über Grenzen hinweg.“
Denkbar ist eine Zusammenarbeit bei der Berufsausbildung und bei dualen Ausbildungswegen, in der Jugendsportentwicklung und in der Landwirtschaft. Der Salzlandkreis ist ein starker Agrarstandort, in Ohangwena geht es unter anderem um bessere Methoden für den Zugang zu Wasser.
Wie nah diese Vergangenheit noch ist, zeigt die Geschichte von Naita Hishoono. Sie kam am 18. Dezember 1979 als Dreijährige in die DDR, zuerst nach Bellin in Mecklenburg, später nach Staßfurt. Heute lebt sie wieder in Namibia und leitet dort das Namibia Institute for Democracy. Damals wurde die Gruppe im Internat zu ihrer neuen Familie. Verschiedene Bilder zeigen, dass Staßfurt für viele nicht nur eine Station war, sondern Heimat. Viele Menschen, die heute in Namibia leben und die es später auch nach Europa verschlagen hat, haben in Staßfurt gelernt und sind hier zur Schule gegangen.
Genau hier setzt der Salzlandkreis an. Aus dem Blick zurück soll ein Schritt nach vorn werden. „Wir haben in Staßfurt eine Vergangenheit, die uns lange geprägt hat. Diese Erinnerung ist ein Pfund, mit dem wir wuchern können“, sagt Landrat Markus Bauer. „Wir wollen nicht nur an diese Zeit erinnern, sondern aus ihr etwas Lebendiges machen. Deshalb suchen wir das Gespräch mit den Menschen in Ohangwena. Wo Menschen einander kennen, entsteht Vertrauen. Und wo Vertrauen ist, profitieren am Ende beide Seiten.“
Die Ausstellung erzählt die Geschichte der namibischen Kinder in Staßfurt und die der deutsch-namibischen Beziehungen. Sie lädt die Salzländerinnen und Salzländer ein, diese Verbindung kennenzulernen und mitzutragen. Für Naita Hishoono ist die Rückkehr im September beides. Sie ist ein Blick zurück auf die eigene Kindheit und ein Zeichen dafür, dass diese Geschichte weitergeht.
- Ausstellung: „Namibia – Deutschland. Aktuelle Aspekte einer besonderen Beziehung“
- Eröffnung: Dienstag, 8. September, 18 Uhr,
- Laufzeit: 9. September bis 16. Oktober
- Ort: Foyer Sparkassenschiff, Lehrter Straße 15, 39418 Staßfurt
- Öffnungszeiten: montags 8:00 bis 16:00 Uhr, dienstags und donnerstags 8:00 bis 18:00 Uhr, mittwochs und freitags 8:00 bis 15:00 Uhr
- Eintritt frei
