Bernburg. Rund 300 Kilometer liegen zwischen Bernburg an der Saale und Worpswede, dem Künstlerdorf im Moor nördlich von Bremen. Kunst verbindet die beiden Orte. Dieser Tage war eine Abordnung aus Worpswede mit dem Bürgermeister der Gemeinde zu Gast im Salzlandkreis. Sie besuchte auch die Grafikstiftung Neo Rauch.

Worpswede ist seit über 130 Jahren ein Begriff. 1889 verließen einige junge Künstler die Stadt, um draußen in der Landschaft zu malen. Aus dieser Idee wuchs ein weltbekanntes Künstlerdorf mit Museen, Ateliers und Galerien, in denen sich Malerinnen, Maler und Bildhauer bis heute über die Schulter schauen lassen.
Die Verbindung hierher steht mitten in der Bernburger Fußgängerzone – auch wenn viele sie wahrscheinlich nicht kennen. Die „Stille Post“ in der Poststraße erzählt das alte Kinderspiel: sechs Bronzefiguren an einer Wasserrinne, geschaffen 1998. Ihr Urheber ist der Bildhauer Bernd Altenstein, jahrzehntelang Professor an der Hochschule für Künste in Bremen. Sein Atelier hat er seit 1994 in Worpswede. Die Passanten in Bernburg laufen also jeden Tag an jenem Kunstwerk vorbei, dessen Ursprung auf das norddeutsche Künstlerdorf zurückzuführen ist.
„Kunst gehört bei uns nicht allein ins Museum, sie steht mitten im Leben“, sagt Landrat Markus Bauer. „Die Menschen begegnen ihr zum Beispiel in Bernburgs Innenstadt, mit Verbindung zu einem Ort wie Worpswede.“ Kunst mitten im Alltag prägt auch andernorts den Salzlandkreis. In Aschersleben widmet sich die Grafikstiftung Neo Rauch einem der bekanntesten Gegenwartsmaler. 1960 in Leipzig geboren, wuchs er in Aschersleben auf. Neo Rauchs Bilder hängen heute in Museen von Europa bis New York – sein grafisches Werk ist dauerhaft in seiner Heimatstadt Aschersleben zu sehen.
Für den Landrat ist das mehr als eine Frage der individuellen künstlerischen Identität: „Kunst und Kultur schaffen Identität und Verbundenheit. Sie bringen Gäste in die Region, füllen Hotels, Cafés und Pensionen.“ Wer über die Zukunft einer Region spricht, dürfe nicht außer Acht lassen, dass ein Standort auch von weichen Faktoren wie Kunst und Kultur lebt. „Kunst macht den Salzlandkreis zu einem Ort, an dem Menschen gern leben, arbeiten und zu Gast sind“, sagt Markus Bauer. Der Besuch aus Worpswede zeige: Zwischen Saale und Bremer Moor gibt es mehr Verbindendes, als die Entfernung vermuten lässt.






