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Salzlandkreis kann neue Wege gehen

Bernburg. Für alle Kinder, die bis zum 30. Juni fünf Jahre alt geworden sind, steht in diesem Jahr die Schuleingangsuntersuchung für das Schuljahr 2027/28 an. Der Salzlandkreis kann dafür jetzt ein selbst erarbeitetes, zweistufiges Verfahren anwenden; eine Änderung der Regularien, für die sich die Kreisverwaltung und Landrat Markus Bauer seit längerer Zeit aufgrund der nicht besetzten Stelle des Amtsarztes bei der Landesregierung eingesetzt haben. Das Sozialministerium erteilte dieser Tage eine Ausnahmegenehmigung. „Das war absolut wichtig. Schließlich wollen wir alle unseren Kindern den bestmöglichen Schulstart ermöglichen“, informiert Markus Bauer.

Das neue, zweistufige Verfahren bedeutet für den Salzlandkreis: Das gesetzlich festgelegte, schuleingangsbezogene Entwicklungsscreening der Mädchen und Jungen übernimmt und dokumentiert eine entsprechend qualifizierte Medizinische Fachangestellte im Kinder- und Jugendärztlichen Dienst der Kreisverwaltung. Nur Kinder, bei denen ein Förderbedarf vermutet oder bereits festgestellt ist oder die noch nicht bei der U8/9-Untersuchung beim behandelnden Kinderarzt waren, werden zusätzlich amtsärztlich untersucht. Dieses zweistufige Verfahren ist für mindestens ein Jahr Grundlage der Arbeit im Bereich der Schuleingangsuntersuchungen. „Wir reduzieren damit den Aufwand für viele Eltern, ohne dass nachhaltig die Qualität leidet. Ich denke, wir haben eine Lösung gefunden, die allen hilft“, sagt Markus Bauer.

Die für Gesundheit zuständige Fachbereichsleiterin Anke Meyer ergänzt: „Es verbindet in unserer Situation das Notwendige mit dem Nützlichen, denn es ist zielführend und unbürokratisch für die Beteiligten. Weil uns trotz aller Anstrengungen im Gesundheitsamt nach wie vor Fachkräfte fehlen, vor allem ärztliches Personal, um ausnahmslos alle 1.500 Kinder vor ihrer Einschulung wie gesetzlich geregelt zu untersuchen. Dabei sind durch die ohnehin fälligen U9-Vorsorgeuntersuchungen für Fünfjährige oder auch durch Kitabesuch besondere Förderbedarfe in der Regel bereits bekannt. Diese Befunde können wir bei der Schuleingangsuntersuchung nun einbeziehen. Und die Eltern müssen nicht ohne Not zweimal zum Kinderarzt, um sicherzugehen, dass ihre Kinder den bestmöglichen Schulstart haben.“

Die Schuleingangsuntersuchung ist Aufgabe der Landkreise bzw. kreisfreien Städte. Sie soll bei Kindern ein Jahr vor der Einschulung mögliche Entwicklungsverzögerungen und  Förderbedarfe erkennen lassen und entsprechende Maßnahmen empfehlen. Jedes Kind wird dabei von einem Arzt oder einer Ärztin körperlich untersucht, außerdem erfolgen ein Seh- und Hörtest sowie Tests zur Sprache, Motorik und zum Wissensstand der Kinder. Bei Bedarf sollen die Kinder rechtzeitig vor Schulbeginn gezielt gefördert werden.

Allerdings konnte der Salzlandkreis aufgrund des Personalmangels zuletzt nicht mehr alle Mädchen und Jungen vor Schuleintritt nach diesen Vorgaben untersuchen und war auf verschiedenen Wegen um Lösungsmöglichkeiten für das vom Fachkräftemangel verursachte Problem bemüht. 2024 schloss er eine Kooperationsvereinbarung mit dem Medizinischen Versorgungszentrum Bodeaue in Egeln, das in seinem Auftrag wohnortnah die dortigen Einschüler untersuchte. Das einstige Pilotprojekt entspannte die Lage zwar temporär, reicht aber nicht zur vollen Versorgung im Kreisgebiet. Zumal Versuche, in ähnlicher Weise noch andere praktizierende Kinderärzte einzubinden, schnell scheiterten an deren Belastung. Eine nachhaltigere Lösung hätte eine Änderung der rechtlichen Grundlagen zur Schuleingangsuntersuchung unter Einbeziehung der regelmäßigen U9-Untersuchung ermöglicht, wie der Salzlandkreis deshalb von Anfang an argumentierte. Eine solche Rechtsanpassung für alle gibt es nicht, nun aber schriftlich die Ausnahmegenehmigung.

Landrat Markus Bauer dazu: „Wir können nur mit dem Personal arbeiten, das wir haben. Das sind derzeit eine fest angestellte Kinderärztin und zwei Honorarärzte, schon im Ruhestand, die uns aber mit je vier Wochenstunden unterstützen. Sie konzentrieren sich nun auf die wirklich erforderlichen Untersuchungen bei Kindern, wenn extra Förderung zur weiteren Entscheidung steht. Eine zweite Stelle für den kinderärztlichen Dienst und auch eine Amtsarztstelle haben wir weiterhin dauerhaft ausgeschrieben. Bisher ohne Erfolg. Wir bleiben dran. Was ich aber sagen kann: unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Kinder- und Jugendärztlichen Dienstes erledigen verantwortungsvoll die vorgesehenen Testungen für künftige ABC-Schützen“, versichert Landrat Markus Bauer.

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