Staßfurt/Eenhana. Die Verbindungen sind nicht nur historisch, sie haben vor allem auf der persönlichen Ebene die Jahrzehnte und die tausende Kilometer Entfernung überdauert. 400 namibische Kinder lebten zwischen 1985 und 1990 in Staßfurt im Salzlandkreis. Jetzt soll aus der gemeinsamen Vergangenheit eine neue Partnerschaft werden.
Dafür liefert die Wanderausstellung „Namibia und Deutschland. Aktuelle Aspekte einer besonderen Beziehung“ im Sparkassenschiff in der Lehrter Straße in Staßfurt weitere Impulse. Sie ist noch bis zum 16. Oktober im Foyer zu den Öffnungszeiten kostenlos zu sehen. Eine Anmeldung ist nicht notwendig. Die Ausstellung wird vom Salzlandkreis, der Salzlandsparkasse und dem Büro des namibischen Honorarkonsuls Burchard Führer getragen.
Zur Eröffnung betonten Landrat Markus Bauer und der namibische Botschafter Jerobeam Shaanika, die bestehenden Verbindungen insbesondere zwischen der Stadt Eenhana in der Region Ohangwena im Norden Namibias und dem Salzlandkreis zu einer dauerhaften und lebendigen Partnerschaft entwickeln zu wollen. Ein entsprechender Kreistagsbeschluss des Salzlandkreises dazu existiert bereits. Auch die für Ohangwena zuständige Regionalgouverneurin Kadiva Hamutumwa befürwortet das Vorhaben.
Landrat Markus Bauer sagte bei der feierlichen Eröffnung: „Es ist wichtig, über den Tellerrand hinaus zu schauen. Wir wollen deshalb Verbindungen schaffen und die unterschiedlichen Kulturen zusammenzubringen. Ein regelmäßiger Austausch auf verschiedenen Ebenen ermöglicht uns, neue Impulse zu setzen, entsprechend können beide Regionen davon profitieren.“ Grundlage sei die Zukunftsstrategie Salzlandkreis 2030. Auch Botschafter Jerobeam Shaanika sprach in seinem Grußwort im Rahmen der Ausstellungseröffnung von einer win-win-Situation.

Die von der Deutsch-Namibischen Gesellschaft entworfene Ausstellung im Sparkassenschiff in Staßfurt beleuchtet die Vergangenheit des südwestafrikanischen Landes im Zusammenhang mit der deutschen Kolonialzeit ab 1884. Damals nahm Deutschland das Gebiet im Südwesten Afrikas zunächst als „Schutzgebiet“, wie es offiziell hieß.
Die folgenden Jahrzehnte waren jedoch von äußerst blutigen Auseinandersetzungen zwischen den deutschen Kolonialisten und Einheimischen geprägt. Nach dem ersten Weltkrieg verlor Deutschland zwar alle Besitzansprüche. Das Land blieb nach Angaben der Deutsch-Namibischen Gesellschaft faktisch eine Kolonie, dann der benachbarten Südafrikaner.
In der Zeit des Kalten Kriegs unterstützte die DDR den bewaffneten Befreiungskampf der Unabhängigkeitsbewegung, nahm in diesem Zusammenhang auch bedrohte Kinder aus Flüchtlingslagern auf, zu denen Naita Hishoono gehörte, die mittlerweile das Namibia Institute for Democracy leitet. Sie blickte zur Ausstellungseröffnung auf ihre Kindheit in Staßfurt und warb ebenfalls für ein Aufleben der Partnerschaft. „Wenn Menschen zusammenkommen, wenn die Zivilgesellschaft zusammen kommt, dann können wir alle gemeinsam mehr erreichen. Städtepartnerschaften haben historisch immer etwas bewegt.“
Naita Hishoono war mit der Unabhängigkeit Namibias 1990 als damals 14-Jährige wieder in ihre Heimat zurückkehrt und zeigte in den vergangenen Tagen ihrer Tochter die Orte ihrer Kindheit. „Ich bin hier mit vielen anderen Kindern unter der Obhut deutscher Lehrerinnen und Erzieherinnen aufgewachsen. Deutschland ist deswegen genauso meine Heimat für Namibia.“
Seit Mitte der 1990er Jahre bestehen zwischen Deutschland und Namibia Kooperationen in den Bereichen Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur. Auch verschiedene Städte und Gemeinden aus ganz Deutschland haben Partnerschaften mit namibischen Kommunen geschlossen. 2021 bekannte sich die damalige Bundesregierung in einem letzten Schritt der Aufarbeitung der Vergangenheit zur historischen Verantwortung und verpflichtete sich zur Wiedergutmachung.
In das bereits bestehende Netzwerk zwischen Deutschland in Namibia will sich auch der Salzlandkreis einbringen, wie Landrat Markus Bauer bereits zur Ausstellungseröffnung erläuterte. Er verwies auf die Hochschule Anhalt, die im Bereich Wissenschaft ein Kooperationspartner sein kann, ebenso wie verschiedene allgemeinbildende Schulen in der Region, die für einen Jugendaustausch als Partner grundsätzlich in Frage kommen.
Ausstellung: „Namibia – Deutschland. Aktuelle Aspekte einer besonderen Beziehung“
Ort:
Öffnungszeiten bis 16. Oktober: montags 8 bis 16 Uhr, dienstags und donnerstags 8 bis 18 Uhr, mittwochs und freitags 8 bis 15 Uhr
Eintritt frei
