Bernburg. Landrat Markus Bauer fordert die Landesregierung auf, künftig darauf zu achten, dass der ländliche Raum bei der Genehmigung von Ausbildungsgängen an Berufsbildenden Schulen stärker berücksichtigt wird. „Man kann nicht seit Jahren alles in den Oberzentren wie Magdeburg, Halle oder Dessau konzentrieren und dann die Landkreise über Gastschulbeiträge dafür finanziell bluten lassen. Das ist mir zu einfach! Wir müssen alle gemeinsam darauf achten, dass der ländliche Raum attraktiv bleibt. Das gelingt nur, wenn wir Anreize schaffen.“
Damit reagiert der Landrat auf eine insbesondere von der Landeshauptstadt Magdeburg vorgelegte Vereinbarung, die es Schulträgern von Berufsbildenden- bzw. Allgemeinbildenden Schulen ermöglicht, für Schülerinnen und Schüler aus anderen Regionen kostendeckende Gastschulbeiträge zu erheben. Das Problem dabei: Anhand zurückliegender Anmeldezahlen geht die Kreisverwaltung nach Angaben der für Bildung zuständigen Fachbereichsleiterin Anke Meyer davon aus, dass für das kommende Schuljahr zusätzlich rund 400.000 Euro Gastschulbeiträge fällig werden. Die Verordnung zu Gastschulbeiträgen war im vergangenen Jahr im Rahmen von Änderungen zum Schulgesetz gestrichen worden.
Während die Landeshauptstadt die Zahlung von Gastschulbeiträgen zur Aufnahme von Gastschülern zur Voraussetzung macht, haben sich die Landkreise darauf verständigt, untereinander darauf zu verzichten, um Verwaltungsaufwand und Kosten zu sparen. Fast 730 Schülerinnen und Schüler einer Berufsbildenden- bzw. Allgemeinbildenden Schule aus dem Salzlandkreis besuchten zuletzt eine entsprechende Einrichtung in Magdeburg, weil nur dort bestimmte Ausbildungsgänge angeboten werden. Im Gegenzug werden auf Grundlage des genehmigten Ausbildungsangebots wesentlich weniger Schülerinnen und Schüler aus anderen Regionen im Salzlandkreis unterrichtet. Die Einnahmen aus Gastschulbeiträgen sind entsprechend geringer.
Landrat Markus Bauer erklärt, er werde die vorgelegte Vereinbarung mit der Stadt Magdeburg unterschreiben müssen, denn: „Unterschreiben wir nicht, hätte das erhebliche Auswirkungen auf die hiesige Wirtschaft. Ausbildungen könnten nicht fortgeführt werden, junge Menschen würden eventuell die Region verlassen. Das können wir uns nicht leisten. Das werden wir nicht zulassen.“ Mit der Unterschrift verbindet der Landrat das klare Signal an die Unternehmen und Schülerinnen und Schüler: „Wir lassen euch nicht hängen!“ Das Vorgehen der Stadtverwaltung von Magdeburg hält der Landrat indes für unangebracht, „weil es einseitig zulasten der Landkreise geht“. „Mit jedem Gastschüler sind Einnahmen für die Wirtschaft und damit für die kommunale Kasse verbunden. Die Oberzentren profitieren deshalb doppelt von der aktuellen Situation.“
Die jetzt zu unterzeichnende Vereinbarung zwischen dem Salzlandkreis und Magdeburg ist auf das kommende Schuljahr begrenzt. Bis dahin setzt sich die Kreisverwaltung dafür ein, eine dauerhafte Regelung mit der Landeshauptstadt sowie den anderen Oberzentren zu finden, die das Thema Bildung in den Mittelpunkt stellt, nicht die Zahlung von Beiträgen zur Kostendeckung. Dazu ist mit dem Bildungsministerium ein im Herbst beginnendes Moratorium vereinbart. Landrat Markus Bauer sagt: „Jede Region trägt im Bereich der Berufsbildenden Schulen zu einem vielfältigen Angebot im Sinne der Auszubildenden und der Firmen bei. Diese Verantwortung tragen wir alle gemeinsam.“





