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Test des Marktplatzes der Zukunft kann beginnen

 

 

Salzlandkreis erhält Unterstützung für Verbesserung der Daseinsvorsorge.
Landrat Markus Bauer: „Wir wollen gewachsene Strukturen stärken!“

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BERNBURG. Das Vorhaben erinnert ein bisschen an Ebay-Kleinanzeigen oder das Angebot von Amazon. Tatsächlich aber verfolgt der „Mobile Marktplatz 4.0“ einen völlig anderen Ansatz. „Wir wollen testen, wie die Versorgung der Bevölkerung mit mobilen Konzepten und mit regionalen Ressourcen möglich ist“, erklärt Landrat Markus Bauer. Konkret sollen die regionale Nachfrage und dazu bereits bestehende Angebote digital auf einer Plattform gebündelt werden.

Ein fiktives Beispiel: Eine nicht mehr mobile Person benötigt Lebensmittel. Ihre Wünsche kann sie nun auf der Plattform eingeben. Auf dieser Grundlage finden sich dann weitere Akteure aus der Region, die diese spezielle Nachfrage erfüllen. Denkbar wäre, dass ein Landhandel den Einkaufskorb zusammenstellt und eine weitere Firma den Transport übernimmt. Möglich wäre aber ebenfalls, dass die Person selbst mit Unterstützung zum Einkaufen gelangt.

Der Unterschied zu den Konzernangeboten ist damit klar: Der digitale Marktplatz soll sowohl die Geschäftsstrukturen in den hiesigen Städten und Gemeinden stärken als auch die Bürger wieder enger zusammenbringen. Der Gewinn kann insofern in der Region bleiben. „Davon würden wir alle profitieren“, sagt der Landrat.

Zusammengeführt werden sollen Angebot und Nachfrage im sogenannten Regionalen Digitalisierungszentrum des Salzlandkreises - einer strategischen Schnittstelle, die die gesellschaftlichen und technischen Fragen der Digitalisierung des Landkreises versucht ganzheitlich zu beantworten (siehe Mitteilung vom 17. April). Deswegen übrigens auch die Bezeichnung 4.0.

Für das bundesweit einmalige Projekt-Thema „Mobiler Marktplatz 4.0“ bekommt der Salzlandkreis vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft nun über 140.000 EUR Fördermittel. Der Zuwendungsbescheid aus Berlin liegt in Bernburg mittlerweile vor. „Mit Hilfe dieser Mittel können wir im Salzlandkreis nun einen weiteren Schritt hin zu einer innovativen Region gehen“, sagt der Landrat.

Er hofft, dass dieses Modellprojekt langfristig dazu beitragen kann, die Versorgung der Bevölkerung trotz des demografischen Wandels zu gewährleisten. Denn das würde den Salzlandkreis als Wohn-, Wirtschafts- und Wissenschaftsstandort stärken. „Wir wollen das große Ganze besser machen, indem wir die einzelnen Subsysteme verbessern“, erläutert der Landrat das Gesamtvorhaben.

Hintergrund: Nach derzeitigen Prognosen werden immer weniger Menschen im Landkreis leben. Das Versorgungsangebot soll dennoch beibehalten werden. Dafür will der Salzlandkreis als einer der ersten Kommunen in Mitteldeutschland überhaupt innovative Wege beschreiten. Landrat Markus Bauer betont, es sei wichtig, die Menschen in den ländlichen Regionen nicht von der Entwicklung abzuhängen. Ansonsten suchten sie ihr Glück vorrangig in den Metropolregionen, während das Land zunehmend ausblute.

Diese Entwicklung muss nach Ansicht von Landrat Markus Bauer verhindert werden – auch im Interesse der Metropolregionen, die ansonsten allein aufgrund der über Jahrzehnte gewachsenen Infrastruktur an ihre Grenzen stoßen. „Statt über Fahrverbote in den Großstädten sollten wir lieber viel mehr über clevere Mobilitätsangebote im ländlichen Raum nachdenken“, fordert der Landrat.

Der „Mobile Marktplatz 4.0“ ist seit zwei Jahren ein Thema im Salzlandkreis. Es ist eines der konkreten Umsetzungskonzepte der Kreisverwaltung, die im Rahmen des Bundesmodellvorhabens „Sicherung von Versorgung und Mobilität – ein Beitrag für gleichwertige Lebensverhältnisse in ländlichen Räumen“ entstanden ist. In diesem Rahmen läuft bereits ein Versuch in Alsleben in Zusammenarbeit mit dem ASB Bernburg.

Der Pflegedienst darf dank der Teilnahme am Projekt Patienten nicht nur zu Hause versorgen, sondern bei Bedarf auch zum Arzt fahren. „Da solche Mitfahrangebote nach dem aktuellen Personenbeförderungsgesetz nicht zulässig sind, leistet der Salzlandkreis auch einen Beitrag auf bundespolitischer Ebene zur Novellierung bestehender Gesetze“, sagt Landrat Markus Bauer.

Mit diesem Projekt hatte der Salzlandkreis zuletzt auch Bundesinnenminister Horst Seehofer bei seinem Besuch in Bernburg begeistert. Das Ergebnis: Die Zusage für weitere Unterstützung. Wichtig ist in diesem Zusammenhang allerdings: Das Modell soll den öffentlichen Nahverkehr ergänzen. „Es soll kein Konkurrenzangebot zu bereits bestehenden Mobilitätsangeboten entstehen“, betont Dirk Helbig. Vielmehr gehe es darum, einen weiteren Baustein für die Verbesserung der Mobilität einzelner zu entwickeln.

Doch zurück zum „Mobilen Marktplatz 4.0“. Mit der Idee hatte sich der Landkreis bereits vor einiger Zeit gegen bundesweit über 400 weitere eingereichte Projektskizzen von anderen Kommunen durchgesetzt und eben damit die Voraussetzung für eine Unterstützung des Bundes geschaffen. Die aktuelle Förderung erfolgt aus Mitteln des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft auf Grundlage eines Beschlusses des deutschen Bundestages. Das Förderprogramm heißt: „Land.Digital – Chancen der Digitalisierung im ländlichen Raum“.


Der Startschuss soll im September fallen. Dann will der zuständige Projektverantwortliche beim Landkreis, Dirk Helbig, zunächst regionale Partner gewinnen, die das Vorhaben tatsächlich umsetzen wollen. Im Blick hat der Experte dabei vor allem Landwirtschaftsbetriebe, den Handel oder Logistikfirmen aber auch andere Unternehmen, die täglich in der Region unterwegs sind. Dirk Helbig ist optimistisch: „Ich habe bei allen Gesprächen mit potenziellen Partnern bisher eine große Lust verspürt, sich über den bisherigen Wirkungskreis hinaus für die Allgemeinheit zu engagieren.“

Profitieren sollen all die Menschen, die abseits von Grund- und Mittelzentren im Landkreis leben, also in den vielen kleinen Dörfern. Sie sollen künftig dank der Vernetzung der Akteure besser mit den Dingen des täglichen Bedarfs versorgt werden – allerdings ohne staatliche Kosten dafür explodieren zu lassen.

Begleitet werden soll das Projekt auch wissenschaftlich. Die Laufzeit des Projekts ist zunächst auf zwei Jahre festgeschrieben, also bis Ende August 2021. Im besten Fall steht dann eine funktionsfähige digitale Plattform, wo sich nach Vorbild von mittelalterlichen Märkten nicht nur Angebot und Nachfrage treffen, sondern auch Informationen ausgetauscht werden. Daneben könnte auch noch ein Geschäftsmodell zum Betrieb einer solchen Plattform als Ergebnis stehen, das tatsächlich Mehrwerte für Firmen und die Gesellschaft schafft.

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