Der Landratssitz
Bernburg, Karlsplatz 37 – Von der herzoglichen Kaserne zum Landratssitz
Die Geschichte eines markanten Bernburger GebäudesWochenmarkt, Antikmarkt, Ferienaktionen, Volksfeste, eine Weltzeit- und eine Sonnenuhr als Treffpunkte, dazu eine Tiefgarage, Cafés und Restaurants, Grünanlagen, Parkbänke und unablässig Fußgänger, Radfahrer, ab und an der Citybus und an der Ostflanke ein imposantes Verwaltungsgebäude– der Karlsplatz ist zweifellos das Zentrum der Kreisstadt Bernburg an der Saale.
Das war nicht immer so. Bis vor ca. 100 Jahren konzentrierte sich das gesellschaftliche Leben wie üblich auf dem Markt auf der anderen, der linken Seite des Flusses, der die Stadt stets verband und zugleich trennte.
Bernburg konnte sich – topografisch bedingt – jedoch nur auf der Bergstadtseite ausdehnen. Und das tat sie dann auch in erheblichem Maße ab 1882, als die Firma Solvay hier die Soda-Großproduktion aufnahm.
Aber der Reihe nach.
Bald jedoch „wuchs“ die Stadt um die Kaserne „herum“ und die exerzierenden Soldaten störten wohl den Fußgängerstrom auf der neuen Lindenstraße. So bot die Stadt der Militärbehörde erfolgreich den Martinsplatz als Alternative an und konnte ab 1890 den Karlsplatz in seiner bis heute erlebbaren Weise gestalten.
Die Oberleitung dieses Unterfangens, das in der kurzen Zeit zwischen März und November 1921 abgewickelt wurde, hatte kein geringerer als der Bürgermeister höchstpersönlich: Friedrich Gothe (1872-1951) hatte als Architekt und Herzoglicher Bauinspektor u. a. das Bernburger Friederiken-Lyzeum und die Köthener Martinskirche entworfen.
(Außer Gothe war Stadtbaumeister Ernst Alsleben maßgeblich am Umbau beteiligt.)
Rathaus blieb das Gebäude bis 1959 – dann tauschten der Rat der Stadt und der Rat des Kreises die Verwaltungshäuser. Ein weiterer Umbau zwischen 1977 und 1979 veränderte das Bauwerk unsensibel: die Rundbogenfenster wurden komplett beseitigt und durch große rechteckige ersetzt, durch den Anbau von Büros auf der Rückseite verdunkelten sich die Flure, die Fassaden wurden von jeglichem Schmuck „befreit“ und als Krönung erhielt das Haus einen entsetzlichen Anstrich.
Seit 1994 und nun auch im neuen Salzlandkreis ist Ulrich Gerstner (SPD) Landrat. Während der letzten großen Sanierung 1999 wurden die erheblichen Mängel der DDR-Zeit beseitigt, ein Fahrstuhl eingebaut und moderne Büros geschaffen.
Einzig die schwere hölzerne Eingangstür mit seinen Accessoires aus der wilhelminischen Militärwelt erinnert noch heute an die ursprüngliche Funktion des Bauwerkes als Kaserne. Was damals zur Niederhaltung der Demokratie errichtet wurde, dient heute der Demokratie.








